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Website selber machen oder erstellen lassen - oder macht's doch der Neffe?

Neffe, Homepage-Baukasten, Template oder maßgeschneidert? Ein ehrlicher Vergleich: wem Domain und Accounts gehören, Hosting, Tempo, SEO, Wartung und Sicherheit.

Jedes Studio kennt diesen Satz. Meist fällt er in den ersten fünf Minuten des Gesprächs, freundlich, als sanfte Vorwarnung, dass gleich übers Budget geredet wird.

„Also, eigentlich könnte die Website auch mein Neffe machen.“

Und das kann er! Wahrscheinlich. Der Neffe existiert, der Neffe ist begabt, und der Neffe hat einmal einen Minecraft-Server betrieben, auf dem vierzig Leute einen ganzen Sommer verbracht haben. Wir haben größten Respekt vor dem Neffen. Die Hälfte von uns war mal der Neffe.

Aber „kann das bauen“ und „kümmert sich die nächsten fünf Jahre darum“ sind zwei verschiedene Jobs. Deshalb hier ein ehrlicher Vergleich deiner vier Möglichkeiten - der Neffe, der Homepage-Baukasten, das gekaufte Template und die maßgeschneiderte Website - und der Fragen, die wirklich entscheiden, ob du deine Website selber machen oder erstellen lassen solltest.

Variante 1: Der Neffe

Dafür: Günstig. Motiviert. Weiß, was CSS ist. Baut liebevolle Details ein, um die niemand gebeten hat, zum Beispiel einen Ladebildschirm, auf dem sich dein Logo dreht.

Dagegen: Hat Matura. Dann eine Freundin. Dann einen Job in Graz. Dann eine neue Handynummer.

Die Website selbst wird meistens gut. Das Problem kommt achtzehn Monate später, wenn das Kontaktformular nicht mehr geht und niemand weiß, wo die Seite gehostet ist, wie das Passwort lautet oder warum die Domain-Rechnungen an seine alte Schul-Adresse gehen. Der Neffe ignoriert dich nicht. Er steckt mitten in der Prüfungszeit und weiß es selbst nicht mehr.

Fazit: Eine echte Option, wenn du es wie ein echtes Projekt behandelst - schriftlich, mit Accounts auf deinen Namen und einem Plan für den Tag, an dem er weiterzieht. Dazu unten mehr.

Variante 2: Der Homepage-Baukasten

Dafür: Schnell gestartet. Hübsche Vorlagen. Hosting, SSL und Updates übernimmt der Anbieter. Du kannst um Mitternacht selbst deine Öffnungszeiten ändern, ohne jemanden anzurufen.

Dagegen: Der Preis auf der Startseite ist der Preis des Tarifs, in dem du nicht bleiben wirst. Dazu kommen eigene Domain, E-Mail-Paket, Buchungs-Widget, „Werbung entfernen“, die zweite Sprache, der Shop und ein Plugin für das, was das andere Plugin eigentlich hätte können sollen. Jedes davon ist ein kleiner Monatsposten. Zusammen sind sie eine Monatsrechnung mit Persönlichkeit.

Und du mietest, statt zu besitzen. Wenn du irgendwann wechselst, bleibt das Design meistens beim Anbieter. Texte und Bilder nimmst du mit, den Rest baust du neu.

Fazit: Öfter die richtige Wahl, als Agenturen gern zugeben. Siehe unten.

Variante 3: Das gekaufte Template

Der Mittelweg: ein gekauftes Theme auf einem verbreiteten CMS, gehostet, wo du willst.

Dafür: Sieht am ersten Tag professionell aus. Viele Funktionen. Günstig in der Anschaffung.

Dagegen: Es sieht professionell aus, weil es aussieht wie ein paar tausend andere Seiten. Jede Funktion, die du nicht nutzt, wird trotzdem auf jeder Seite mitgeladen - deshalb war die Demo flott und deine Version ist es nicht. Das Theme braucht Updates, das CMS braucht Updates, die 14 Plugins brauchen Updates, und mindestens eines wurde zuletzt aktualisiert, als der Neffe in die Volksschule kam. Ein Jahr ohne Updates, und deine Seite wird zum Hobby für das Botnetz von jemand anderem.

Fazit: Gut, wenn sich jemand wirklich kümmert. Gefährlich, wenn „jemand“ in Wahrheit niemand heißt.

Variante 4: Maßgeschneidert (und die Agentur, die nie zurückruft)

Wir würden lügen, wenn wir sagten, die Satire hört hier auf. Auch der maßgeschneiderte Weg hat seinen Bösewicht: die Agentur, die im Verkaufsgespräch reizend war und danach zu einem Ticketsystem mit neun Tagen Antwortzeit wurde. Bezahlt hast du eine individuelle Website. Bekommen hast du individuelles Schweigen.

Dafür: Gebaut für deine Inhalte, deine Sprachen und deine Kunden. Schnell, weil nur geladen wird, was gebraucht wird. Wächst mit dir statt um dich herum.

Dagegen: Kostet am Anfang mehr. Dauert länger als einen Nachmittag. Ist nur so gut wie die Leute, die sie bauen - und ob die danach noch abheben, wenn du anrufst.

Fazit: Lohnt sich, wenn die Website ein arbeitender Teil des Geschäfts ist und keine digitale Visitenkarte.

Die Kriterien, auf die es wirklich ankommt

Vergiss kurz die Varianten. Diese Fragen entscheiden, ob deine Website in drei Jahren noch für dich arbeitet.

Wem Domain und Accounts gehören. Der wichtigste Punkt. Domain, Hosting, Baukasten-Abo, Analytics, Google-Unternehmensprofil, E-Mail - alles gehört auf deinen Namen, mit deiner E-Mail-Adresse und deiner Zahlungsmethode. Andere werden als Nutzer hinzugefügt. Nicht der Account vom Neffen. Nicht der von der Agentur. Deiner. Wenn eine Zusammenarbeit schlecht endet, ist das der Unterschied zwischen einer unangenehmen E-Mail und dem Verlust deiner Domain.

Hosting. Wo liegt die Seite, wer zahlt dafür, und wer bekommt die Nachricht, wenn sie nicht erreichbar ist? „Irgendwo Günstiges, das der Neffe gefunden hat“ ist eine Antwort - aber sie sollte irgendwo aufgeschrieben sein.

Geschwindigkeit. Eine langsame Seite verliert Besucher, bevor sie ein Wort gelesen haben, und Suchmaschinen merken das auch. Teste am Handy, im mobilen Netz, nicht im Büro-WLAN. Wenn du dir beim Laden einen Kaffee machen kannst, können das deine Kunden auch - bei der Konkurrenz.

SEO-Grundlagen. Saubere Seitentitel und Beschreibungen, echte Überschriften, lesbare URLs, Bilder mit Alt-Text, eine Sitemap und ein Google-Unternehmensprofil, falls du ein Geschäftslokal hast. Nichts davon ist Zauberei, und die meisten Baukästen können das, wenn man die Felder ausfüllt. Die meisten Seiten lassen es aus, weil niemand wusste, dass es die Felder gibt.

Mehrsprachigkeit. Wenn du in mehr als einer Sprache verkaufst, prüf vorher, wie jede Variante damit umgeht. Eigene URLs pro Sprache, übersetzte Seitentitel, ein Sprachumschalter, der Besucher nicht auf die Startseite zurückwirft. Beim Baukasten ist das oft ein Upgrade, beim Template ein Plugin, das ein eigenes Plugin braucht.

Impressum und Datenschutz. In Österreich und Deutschland braucht eine geschäftliche Website in aller Regel ein Impressum und eine Datenschutzerklärung, und wer Tracking oder eingebettete Dienste nutzt, muss sich um die Einwilligung kümmern. Das hängt nicht von der Variante ab - aber jemand muss es erledigen und aktuell halten.

Wartung und Sicherheitsupdates. Jede Website braucht jemanden, der Updates, Backups und das Kontaktformular verantwortet, das seit März heimlich nichts mehr verschickt. Beim Baukasten ist genau das im Monatspreis drin. Überall sonst: Entscheide, wer es macht und wie oft, und schreib den Namen auf.

Wann der Baukasten wirklich die richtige Wahl ist

Ehrlich? Oft. Wenn du ein paar Seiten, ein Kontaktformular, Öffnungszeiten und eine Galerie brauchst, in einer Sprache, und du Änderungen selbst machen willst - nimm einen Baukasten. Jahrestarif, eigene Domain verbinden, fertig. Du brauchst kein Studio, und ein gutes Studio sagt dir das auch.

Dasselbe gilt, wenn du eine Idee testest und noch nicht weißt, ob es sie nächstes Jahr gibt. Steck das Geld ins Herausfinden, nicht in Infrastruktur.

Wann sich maßgeschneidert lohnt

Maßgeschneidert ergibt Sinn, sobald die Website kein Prospekt mehr ist, sondern ein Werkzeug:

  • mehrere Sprachen, richtig umgesetzt, für Märkte, die dir wichtig sind
  • Buchungen, Angebote, Kundenkonten oder alles, was mit deinen anderen Systemen reden muss
  • Geschwindigkeit und Sichtbarkeit in der Suche, die direkt Umsatz bedeuten
  • Baukasten-Rechnungen, die über ein paar Jahre gerechnet heimlich mehr kosten als ein einmaliger Bau
  • eine Marke, die nicht aussehen will wie das Template, das alle anderen auch gekauft haben

Dann rechnet sich eine maßgeschneiderte Website - oder, wenn es eigentlich Software mit Startseite ist, eine Webanwendung - meistens durch Dinge, die auf keiner Rechnung stehen: weniger Workarounds, weniger Plugins, weniger Anrufe beim Neffen.

Ein gutes Wort für Neffen

Der Neffe ist nicht das Problem. Der Neffe ist oft der Erste in der Familie, der das Internet ernst genommen hat. Das Problem sind unklare Besitzverhältnisse - und die gibt es bei Baukästen, Templates und Agenturen genauso.

Wenn also der Neffe die Seite baut: wunderbar. Kauf die Domain selbst. Leg den Hosting-Account selbst an und füg ihn hinzu. Bitte ihn um eine Seite Notizen, wie alles zusammenhängt. Bezahl ihn ordentlich - in Geld, nicht nur in Schnitzel. Und wenn er den Job in Graz bekommt, hast du immer noch eine Website.

Wenn du eine zweite Meinung willst, welche Variante passt - inklusive „ehrlich, der Baukasten reicht“ - frag uns einfach. Wir antworten. Darum geht’s ja.