Was kostet eine App? Eine Preisliste, an die sich niemand hält
Was kostet eine App? Eine satirische Speisekarte typischer App-Wünsche, darunter echte Kostentreiber - Rollen, Plattformen, Schnittstellen - und Spartipps.
Jedes Studio bekommt diese Frage mindestens einmal pro Woche. Meistens als erste Nachricht, manchmal als einzige: „Hallo, was kostet eine App?“
Eine berechtigte Frage. Sie ist allerdings ungefähr so, als würdest du beim Autohändler fragen, was ein Fahrzeug kostet. Fahrrad? Lkw? Muss es fliegen können? Ist es für Zahnärzte?
Also haben wir getan, was jedes vernünftige Studio tut, wenn es eine Frage ohne Antwort bekommt: Wir haben eine Speisekarte geschrieben.
Die Karte
Saisonal, freibleibend und für absolut niemanden verbindlich. Die Küche behält sich Rückfragen vor.
Vorspeisen
- „Nur ein ganz einfacher Login“ - E-Mail und Passwort. Dann „Passwort vergessen“. Dann Google-Login. Dann Apple-Login, weil der App Store zu Social-Logins eine Meinung hat. Dann Zwei-Faktor, weil jemand einen Artikel gelesen hat. Dazu eine Beilage DSGVO. Preis: nie einfach.
- „Eine Landingpage, aber als App“ - Eine Website im Trenchcoat. Preis: Frag zuerst, ob es wirklich eine App sein muss.
Hauptspeisen
- „Wie Instagram, nur für Zahnärzte“ - Foto-Feed, Kommentare, Likes, Push-Nachrichten, Profile, Moderation und eine sehr spezielle Zielgruppe. Serviert mit der stillen Hoffnung, dass das Original all die Entwickler eigentlich nie gebraucht hat. Preis: nach Marktlage. Der Markt hat schlechte Laune.
- „Uber, nur für X“ - Zwei Apps (eine für Kunden, eine für wen auch immer X ist), Live-Karten, Zahlungen, Bewertungen, Vermittlungslogik und ein Admin-Panel für den Moment, in dem alles schiefgeht. Preis: drei Apps zum Preis von drei Apps.
- „Die eierlegende Wollmilchsau“ - Chat, Bezahlung, Shop, Social Feed und ein Kalender „für später“. Preis: Die Küche hat schon zu.
Beilagen und Extras
- „Kann das noch mehr knallen?“ - Ein Designwunsch ohne messbares Abnahmekriterium. Preis: noch eine Korrekturschleife. Und noch eine.
- „Soll auch offline gehen“ - Köstlich. Braucht lokale Speicherung, Synchronisierung und einen Plan für den Fall, dass zwei Leute im Zug zwischen zwei Funklöchern denselben Datensatz bearbeiten. Preis: Rechnung lieber zweimal lesen.
- „Können wir noch KI reinmachen?“ - Garnitur. Gelegentlich die Hauptspeise. Preis: hängt davon ab, was sie tun soll. Das hat bisher niemand gesagt.
- „Nur eine kleine Änderung vor dem Launch“ - Nie klein, immer vor dem Launch. Preis: der Launch-Termin.
Nachspeise
- „Wartung“ - Bestellt keiner. Isst jeder. Preis: monatlich, bis die App aufhört zu existieren.
Warum auf der Karte keine Zahlen stehen
Weil die ehrliche Antwort auf „Was kostet eine App?“ eine Spanne ist - und diese Spanne von Entscheidungen abhängt, die du noch nicht getroffen hast. Ein Studio, das nach einer einzigen Nachricht eine fixe Zahl schickt, rät entweder, oder es kalkuliert die kleinstmögliche Version und plant, den Rest später gemeinsam mit dir zu entdecken. Zu einem anderen Preis.
Hier kommt, was die Zahl wirklich bewegt. Das ist der Teil dieses Beitrags, der kein Witz ist.
Die echten Kostentreiber
1. Benutzerrollen. Eine App, in der alle dasselbe sehen, ist eine App. Eine App mit Kunden, Mitarbeitern, Filialleitung und Admin besteht im Grunde aus vier Apps mit gemeinsamer Datenbank. Jede Rolle bringt eigene Screens, Berechtigungen und Testfälle mit. Nach unserer Erfahrung der am meisten unterschätzte Kostentreiber überhaupt.
2. Plattformen. iOS, Android, Web - oder alles drei. Rein native Apps bedeuten eine eigene Codebasis pro Plattform. Cross-Platform-Frameworks wie Flutter oder React Native teilen den Großteil des Codes, was meist die vernünftige Standardwahl ist, außer du brauchst tiefen Hardwarezugriff oder sehr plattformspezifisches Verhalten. Mehr zu den Abwägungen findest du bei unserer App-Entwicklung.
3. Schnittstellen. Zahlungen, Karten, Kalender, dein bestehendes ERP oder CRM, ein Versanddienstleister, die Registrierkasse. Jede davon ist eine Beziehung mit der API von jemand anderem, mit eigener Dokumentation, eigenen Macken und eigenen Ausfällen. Ein gut dokumentierter, moderner Dienst ist schnell angebunden. Das fünfzehn Jahre alte System im Hinterzimmer, das nur eine Person versteht, eher nicht.
4. Offline-Fähigkeit. „Funktioniert offline“ klingt nach einem Häkchen. Es ist Architektur. Die App braucht lokale Speicherung, einen Synchronisierungsmechanismus und Regeln für Konflikte. Wenn du das brauchst, sag es früh - nachträglich einbauen ist der teure Weg.
5. Das Admin-Panel. Jede App mit Inhalten, Nutzern oder Bestellungen braucht einen Ort, an dem jemand all das verwaltet. Deine Kunden sehen ihn nie, deshalb steht er selten im ersten Briefing - und er kann leicht einen ordentlichen Brocken der Arbeit ausmachen.
6. Designtiefe. Zwischen einer sauberen App aus gut gemachten Standardkomponenten und einem komplett eigenen Erlebnis mit Illustrationen, Animationen und Mikrointeraktionen liegt ein großer Unterschied. Beides ist legitim. Eines kostet deutlich mehr. „Mehr knallen“ wohnt hier.
7. Backend. Irgendwo speichert ein Server die Daten, verschickt Benachrichtigungen, wickelt Zahlungen ab und setzt die Regeln durch. Manchmal reicht ein fertiger Backend-Dienst. Manchmal brauchst du ein richtiges Backend mit API, das um deine Logik herum gebaut ist. Das Ding auf deinem Handy ist oft die kleinere Hälfte des Projekts.
8. Store-Veröffentlichung. Apple und Google prüfen Apps, bevor sie live gehen, nach Richtlinien zu Datenschutz, Zahlungen, Login und Inhalten - und sie lehnen auch ab. Plane Zeit ein für Entwicklerkonten, Store-Einträge, Screenshots, Datenschutzangaben und mindestens eine Runde „Bitte erklären Sie, wozu diese App die Kamera benötigt“.
9. Wartung nach dem Launch. Betriebssysteme bekommen jedes Jahr Updates. Bibliotheken bekommen Sicherheitspatches. Store-Anforderungen ändern sich. Eine App, um die sich niemand kümmert, geht früher als gedacht leise kaputt. Plane laufende Pflege von Anfang an ein - nicht als Überraschung im zweiten Jahr.
Warum ehrliche Studios mit einer Spanne antworten
Eine seriöse Schätzung kommt nach dem Scoping: ein ordentliches Gespräch, manchmal eine kurze bezahlte Analysephase, in der Rollen, Plattformen, Schnittstellen und Muss-Funktionen schriftlich festgehalten werden. Ein gutes Software-Briefing verkürzt das enorm. Dann bekommst du eine Spanne, und die wird mit jeder Entscheidung enger.
Wer dir eine exakte Zahl nennt, bevor er weiß, ob du ein Admin-Panel brauchst, ist nicht effizient. Er ist optimistisch - auf deine Kosten.
Wie es wirklich günstiger wird
- Streich den Umfang zusammen. Schreib alle Funktionen auf und markier die, ohne die die App nicht starten kann. Meistens ist es weniger als die Hälfte.
- Bau ein MVP. Die kleinste Version, die echte Nutzer verwenden (und idealerweise bezahlen) können. Veröffentlichen, beobachten, was die Leute wirklich tun, dann das Nächste bauen.
- Geh Cross-Platform. Eine Codebasis für iOS und Android ist meist günstiger in Entwicklung und Wartung als zwei.
- Miete gelöste Probleme. Login, Zahlungen, Push-Nachrichten und Karten gibt es längst als Dienste. Bau sie nicht aus Stolz nach.
- Frag dich, ob es überhaupt eine App sein muss. Eine gute Webanwendung läuft auf jedem Gerät und erspart dir die App-Stores komplett. Manchmal ist das die richtige Antwort - und dann sagen wir dir das auch.
- Ändere deine Meinung auf Papier. Einen Satz in der Spezifikation umzuschreiben, kostet nichts. Eine Funktion im Code umzuschreiben, ist die teuerste Art, eine Entscheidung zu treffen.
Also: Was kostet eine App?
Irgendwo zwischen „weniger, als du befürchtest“ und „mehr, als dir der Schwager versprochen hat, der sich mit Computern auskennt“. Wo genau, hängt von allem oben ab.
Wenn du eine Idee hast und lieber eine ehrliche Spanne als eine Speisekarte willst, erzähl uns davon. Wir stellen viele Fragen. Das ist der günstige Teil.